TÜV-Verband fordert mehr Resilienz in Gebäuden
Immer mehr Sicherheitsstromversorgungen und Brandmeldeanlagen fallen bei Prüfungen durch. Laut TÜV Baurechtsreport 2025 war im vergangenen Jahr nur noch jede vierte Notstromanlage mängelfrei. Fehlende Fachkompetenz, lückenhafte Dokumentation und technologische Umbrüche erhöhen die Risiken – mit Folgen für die Gebäudesicherheit.
Notstromanlagen sollen im Ernstfall sicherheitsrelevante Einrichtungen wie Brandmelde- oder Feuerlöschanlagen sowie die Notbeleuchtung mit Energie versorgen. Doch 2024 war laut nur TÜV Baurechtsreport 2025 noch jede vierte geprüfte Anlage mängelfrei. Der Anteil wesentlicher Mängel stieg auf 30 Prozent. „Fällt im Notfall die Sicherheitsstromversorgung aus, stehen wichtige Schutzsysteme der Gebäudeausrüstung still“, sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands.
Auch Erstprüfungen vor Inbetriebnahme zeigen deutliche Schwächen: Von 942 kontrollierten Anlagen waren nur 38 Prozent ohne Beanstandungen.
Die Gründe sind vielfältig. Es gibt bislang keine verbindlichen Qualifikationsanforderungen für Fachkräfte im Bereich Sicherheitsstromversorgung. Gleichzeitig verstärkt der Fachkräftemangel den Mangel an Expertise. Hinzu kommt der technologische Wandel: Batteriegestützte Systeme ersetzen zunehmend Dieselaggregate. Sie gelten zwar als günstiger und umweltfreundlicher, stellen aber höhere Anforderungen an Planung, Installation und Wartung.
„Moderne Notstromanlagen sind oft mit weiteren Komponenten der Gebäudetechnik vernetzt. Wenn die Abstimmung zwischen den Gewerken oder die Dokumentation nicht lückenlos funktioniert, steigt das Risiko für Mängel“, warnt Bühler.
Auch Brandmeldeanlagen wiesen 2024 erhebliche Mängel auf. Bei 20,5 Prozent der Systeme stellten die Sachverständigen gravierende Defekte fest, rund die Hälfte zeigte kleinere Schwachstellen. „Nach Einschätzung der Sachverständigen liegt vielen erheblichen Mängeln eine lückenhafte Dokumentation zugrunde. Daneben spielen Versäumnisse im Betrieb der Systeme – etwa fehlende Anpassungen nach Umbaumaßnahmen – eine zentrale Rolle“, so Bühler. Technische Defekte seien dagegen seltener, da moderne Systeme Fehler meist selbst erkennen. Besondere Umgebungsbedingungen wie Hitze oder Staub erhöhen jedoch die Anfälligkeit.
„Unsere Gebäude müssen krisenfester werden. Resilienz muss gerade mit Blick auf Stromausfälle, Cyberangriffe oder hybriden Bedrohungen zum Leitprinzip werden“, fordert Bühler. „Die Eigentümer und Betreiber der Gebäude sind in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und für eine regelmäßige technische Wartung und Instandhaltung zu sorgen. Nur aus einer Kombination aus regelmäßiger Wartung und unabhängiger Prüfung können wir sicherstellen, dass sicherheitsrelevante Systeme im Ernstfall zuverlässig funktionieren.“
Links:
Der vollständige TÜV Baurechtsreport 2025 ist hier abrufbar.
www.b-und-i.de
